1-Jabal al-Noor


Jabal al-Noor


Jabal al-Noor (arabisch: جبل النور) ist ein Berg, auf dem der Prophet Zeit zum Anbeten und Nachdenken verbringen würde. Er erhielt die erste Offenbarung in der Höhle von Hira (arabisch: غار حراء) in der Nähe des Berggipfels.


DIE ERSTE OFFENBARUNG

Unser ehrwürdiger Prophet Muhammad s.a.v (Allah segne ihn und schenke ihm Frieden) war in der Gesellschaft, in der er lebte, für seinen vortrefflichen Charakter bekannt. Er betete niemals Götzen an und aß nie von dem Fleisch der ihnen dargebrachten Opfertiere. Er trank keinen Alkohol, beteiligte sich nicht an Glücksspielen und nahm niemals an den Festivitäten und Zeremonien zu Ehren der Götzen teil. Durch seine Wahrhaftigkeit, Vertrauenswürdigkeit, das Einhalten seiner Versprechen, seine Sittsamkeit, Großzügigkeit und Würde erwarb er das Ansehen und Vertrauen seiner Zeitgenossen.

Der ehrwürdige Muhammad s.a.v (Allah segne ihn und schenke ihm Frieden) gehörte zu jenen, die am Glauben seines Vorvaters Ibrāhīm a.s an die Einheit Allahs, des Erhabenen, festhielten. Als er das Alter von vierzig Jahren erreicht hatte, begann er, wahrhaftige Träume zu empfangen. Alles, was er im Traum sah, wurde Wirklichkeit.

Eines Nachts (in der Laylat al-Qadr genannten Nacht) gegen Morgengrauen im Monat Ramadān des Jahre 610 christlicher Zeitrechnung erschien ihm in einer Höhle am Berge Hirā’ der Engel Jibrīl a.s und forderte ihn auf: „Lies!“

Überrascht erwiderte unser ehrwürdiger Prophet (Allah segne ihn und schenke ihm Frieden): „Ich kann nicht lesen“, doch Jibrīl a.s sagte erneut: „Lies!“, worauf der Prophet wiederum antwortete: „Ich kann nicht lesen.“

Der Engel Jibril forderte ihn noch einmal auf zu lesen, dann trug er ihm die ersten fünf Verse der Sure al-‘Alaq vor. Der Prophet (Allah segne ihn und schenke ihm Frieden) sprach ihm diese ersten Verse des Koran nach. Übersetzt lauten sie:

Lies im Namen deines Herrn, Der erschaffen hat, den Menschen erschaffen hat aus einem Anhängsel. Lies, und dein Herr ist der Edelste,
Der (das Schreiben) mit dem Schreibrohr gelehrt hat, den Menschen gelehrt hat, was er nicht wußte.

96/1-5


Nachdem er dem Engel die Worte der Offenbarung nachgesprochen hatte, erhob sich der Prophet a.s. Er war fassungslos und zitterte vor Aufregung. Er trat aus der Höhle, doch diesmal kam die gleiche Stimme vom Himmel. Die majestätische Stimme des Engels Jibrīl (Friede sei auf ihm) hallte von überall wider: „O Muhammad, du bist der Gesandte Allahs und ich bin Jibrīl!“

Dieses Geschehen erschreckte den Gesandten Allahs (Segen und Friede seien auf ihm) noch mehr und er lief mit heftig schlagendem Herzen den Berg hinab, bis er bei seiner Frau Khadīja r.a ankam. Die ehrwürdige Khadīja r.a wurde angesichts seiner Aufgeregtheit besorgt. Der Prophet s.a.v (Allah segne ihn und schenke ihm Frieden) zitterte noch immer. Er ging zu seiner Ruhestätte und sagte zu ihr: „Deck mich zu! Deck mich zu!“ Bald darauf schlief er ein und als er aufwachte, erzählte er ihr, was geschehen war. Die ehrwürdige Mutter der Gläubigen beruhigte ihn und sagte:

„Fürchte die nicht! Wahrlich, ich schwöre bei Allah: Allah wird dich niemals erniedrigen! Du pflegst die Familienbande, sprichst die Wahrheit, hilfst den Schwachen und Besitzlosen, du gibst jenen, denen sonst niemand gibt, erweist Besuchern Gastfreundschaft und stehst den Menschen darin bei, ihr Recht zu erlangen.“

Diese ermunternden Worte Khadījas r.afreuten unseren Propheten s.a.v (Allah segne ihn und schenke ihm Frieden) sehr. Zusammen gingen sie zu Waraqa ibn Naufal, der der Sohn eines Onkels Khadījas r.a war. Waraqa war ein alter Mann, der über große Kenntnisse sowohl der Tevrat als auch des Incil verfügte. Als der Prophet s.a.v (Allah segne ihn und schenke ihm Frieden) ihm berichtete, was ihm widerfahren war, wurde Waraqa ganz aufgeregt und sagte:

„Ich schwöre bei Allah, dass du der Prophet dieser Gemeinschaft bist. Und der Engel, den Du gesehen hast, war Jibrīl, derselbe Engel, der auch Mūsā und ‘Īsā die Gebote Allahs überbracht hat.“ Und dann fuhr er fort:

„Ich wünschte, ich wäre jung und könnte dir beistehen, wenn die Menschen dich zu vertreiben suchen!“

Der Gesandte Allahs (Segen und Friede seien auf ihm) fragte verwundert: „Werden sie mich wirklich aus der Stadt vertreiben?“, worauf Waraqa antwortete:

„Ja, in der Tat ist niemals ein Prophet mit dem gekommen, was du bringst, ohne dass er verfolgt und vertrieben worden wäre!“

Allah, der Erhabene, sagt:

Einen Qur’an haben Wir (offenbart, den Wir in Abschnitte) unterteilt (haben), damit du ihn den Menschen in Abständen vorträgst; und Wir haben ihn wahrlich nach und nach offenbart.

(Sure al-Isrā’ (17), Vers 106)


Wie der Koran niedergeschrieben und auswendig gelernt wurde

Unser ehrwürdiger Prophet s.a.v (Allah segne ihn und schenke ihm Frieden) pflegte die Verse des Koran unmittelbar nach ihrer Offenbarung seinen Gefährten zu verkünden. Dabei ließ er einige von ihnen, die als die „Schreiber der Offenbarung“ [Kātib al-Wahyi] bekannt waren, die neu offenbarten Verse aufzeichnen. Auf diese Weise wurden die Verse des edlen Koran nicht nur vom Propheten und seinen Gefährten auswendig gelernt, sondern auch direkt nach ihrer Herabsendung schriftlich festgehalten.

Entsprechend den Gelegenheiten und Möglichkeiten der damaligen Zeit hielten die Schreiber die Verse des Koran auf dünnen, flachen Steinen, den Schulterblättern von Kamelen, Palmblättern, Rippenknochen von Tieren, Stoffen oder Tierhäuten, Papyrus, Holztafeln und ähnlichen Materialien fest. Unser Prophet s.a.v (Allah segne ihn und schenke ihm Frieden) pflegte die neu offenbarten Verse vorzutragen und ließ sie niederschreiben, dann bat er die Schreiber, ihm das Geschriebene vorzulesen, um es so auf etwaige Fehler hin zu überprüfen. Die ersten vier Kalifen, Abū Bakr r.a , ‘Umar r.a, ‘Uthmān r.a und ‘Alī r.a (möge Allah mit ihnen zufrieden sein) zählten zu den Schreibern der Offenbarung. Andere berühmte Prophetengefährten wie Zayd ibn Thābit, Ubay ibn Ka‘b und Mu‘ādh ibn Jabal waren ebenfalls als Schreiber tätig

Darüber hinaus rezitierte unser ehrwürdiger Prophet (Allah segne ihn und schenke ihm Frieden) die koranischen Verse im Gebet und bei zahlreichen anderen Gelegenheiten und erklärte den Gläubigen die in ihnen enthaltenen Bestimmungen und Feinheiten.

Jedes Jahr rezitierte und überprüfte der Gesandte Allahs (Segen und Friede seien auf ihm) im Monat Ramadān gemeinsam mit dem Engel Jibrīl alle bis zu diesem Zeitpunkt offenbarten Verse. Im Ramadān des Jahres seines Dahinscheidens schließlich gingen sie den gesamten Koran zwei Mal durch.


Die Zusammenstellung des Koran in Buchform

Der heilige Koran wurde zu Lebzeiten des Propheten s.a.v (Allah segne ihn und schenke ihm Frieden) sowohl auswendig gelernt als auch schriftlich festgehalten, doch diese niedergeschriebenen Verse und Kapitel des Koran waren noch nicht in Buchform zusammengestellt. Dies lag vor allem daran, dass zu Lebzeiten des Propheten immer wieder neue Offenbarungen hinzukamen. Da die Offenbarung bis zum Dahinscheiden unseres Propheten s.a.v (Allah segne ihn und schenke ihm Frieden) nicht vollständig abgeschlossen war, konnte der Koran zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Buchform zusammengefasst werden.

Nach dem Dahinscheiden des Gesandten s.a.v (Allah segne ihn und schenke ihm Frieden) wurde Abū Bakr r.a (möge Allah mit ihm zufrieden sein) zum Kalifen gewählt. Während der Zeit seines Kalifats starben viele jener als Hāfiz bezeichneten Prophetengefährten, die den gesamten Koran auswendig kannten, als Märtyrer im Krieg. Dieser Umstand machte ‘Umar r.a (möge Allah mit ihm zufrieden sein) große Sorgen. Er schlug Abū Bakr r.a vor, die Materialien, auf denen die Verse des Koran niedergeschrieben waren, zu sammeln. Daraufhin stellte Abū Bakr r.a eine Komission unter Leitung des bedeutendsten Schreibers des Propheten, Zayd ibn Thābit, zusammen, deren Mitglieder allesamt den Koran von Anfang bis Ende auswendig kannten. Nach ungefähr einem Jahr ernsthafter Anstrengungen waren alle Manuskripte gesammelt und die Verse des Koran wurden auf sauberen Seiten niedergeschrieben, die dann in Buchform zusammengestellt und Abū Bakr übergeben wurden.


Die Vervielfältigung des Koran

Während der Kalifate von ‘Umar und ‘Uthmān r.a (möge Allah mit ihnen zufrieden sein) kamen durch Eroberung zahlreiche neue Gebiete zum Reich der Muslime hinzu. Menschen unterschiedlicher Sprache, Kultur und Rasse nahmen den Islam an und jeder wollte den edlen Koran lernen und wissen, was darin steht. Um die dafür notwendigen Bedingungen zu schaffen, entschied der Kalif ‘Uthmān, Abschriften der unter der Herrschaft Abū Bakrs r.a zusammengestellten Niederschrift des Koran anfertigen zu lassen. Deshalb setzte er erneut eine Kommission unter Leitung des Zayd ibn Thābit ein, die den Auftrag erhielt, Abschriften des edlen Koran zu fertigen. Eine der Abschriften blieb in Medina, während andere nach Mekka, Kufa, Basra und Damaskus sowie in den Jemen und nach Bahrain geschickt wurden. Zugleich wurde mit jeder dieser Kopien ein Lehrer in diese Zentren entsandt.


Die Vorzüge der Koranrezitation

Der edle Koran ist das Höchste und Schönste, was es an Worten gibt. Unser geliebter Prophet s.a.v (Allah segne ihn und schenke ihm Frieden) sagte: „Der Beste von euch ist derjenige, der den Koran lernt und ihn andere lehrt.“ Deswegen besteht unsere wichtigste Aufgabe darin, den Koran zu lesen, zu lernen und ihn anderen beizubringen. Und dann ist es unsere Pflicht, entsprechend seinen Bestimmungen zu leben.

Der edle Koran wurde zu Lebzeiten des Propheten s.a.v (Allah segne ihn und schenke ihm Frieden) auswendig gelernt und niedergeschrieben.

Er wurde während des Kalifats des ehrwürdigen Abū Bakr r.a gesammelt und in Buchform zusammengestellt.

Seit dem Kalifat des ehrwürdigen ‘Uthmān r.a wurde der Koran vervielfältigt und er ist uns bis zum heutigen Tag ohne Änderung eines einzigen Buchstabens überliefert.

Die Rezitation des Koran ist eine gottesdienstliche Handlung. Unser allmächtiger Herr hat denjenigen, die den Koran rezitieren und sich an dessen Bestimmungen halten, das Paradies und seine Segnungen versprochen. Und unser ehrwürdiger Prophet (Allah segne ihn und schenke ihm Frieden) hat uns mitgeteilt, dass auch die Eltern solcher Gläubigen im Jenseits ein besonderer Lohn erwartet.

Unser geliebter Prophet s.a.v (Allah segne ihn und schenke ihm Frieden) pflegte den Koran langsam und deutlich zu rezitieren und mahnte auch seine Anhänger, ihn exakt und in schöner Weise vorzutragen. Er wünschte, dass seine Gemeinschaft viel und oft den Koran rezitiert, und sagte, dass derjenige, der ihn schön vorträgt, mit den Engeln zusammensein wird. Denjenigen hingegegen, die Schwierigkeiten dabei haben, den Koran zu lesen, verkündete der Gesandte Allahs (Segen und Friede seien auf ihm) frohe Botschaft, wenn sie sich trotzdem ernsthaft darum bemühen.

Unser geliebter Prophet s.a.v sagte:

„Wenn jemand den Koran liest und entsprechend seinen Bestimmungen handelt, dann werden seinen Eltern am Tag der Auferstehung Kronen aufgesetzt, deren Licht schöner erstrahlt als das Licht der Sonne in den Häusern dieser Welt. So stellt euch den Lohn desjenigen vor, der nach den Bestimmungen des Koran handelt!“ (Abū Dāwūd, Bd. I, 355)


Allah, der Erhabene, sagt:

Gewiß, diejenigen, die Allahs Buch verlesen, das Gebet verrichten und von dem, womit Wir sie versorgt haben, heimlich und öffentlich ausgeben, hoffen auf einen Handel, der nicht zu Fall kommen wird, damit Er ihnen ihren Lohn in vollem Maß zukommen lasse und ihnen von Seiner Huld noch mehr gebe. Gewiß, Er ist Allvergebend und stets zu Dank bereit.

(Sure al-Fātir (35), Verse 29-30)


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