Wie Abu Sarr Ghifari radiallahu ’anhu Islam annahm


Abu Sarr Ghifari radiallahu ’anhu ist unter den Sahaba für seine Frömmigkeit und sein Wissen bekannt. ’Ali radiallahu ’anhu pflegte zu sagen: „Abu Sarr radiallahu ’anhu besitzt solch ein Wissen, was andere Leute nicht imstande sind, zu erlernen, aber er hat es in sich gebracht.” Als er zuerst Nachrichten von Mohammeds sallallahu ’alaihi wassallam Prophetentum erhielt, schickte er seinen Bruder nach Mekka, damit dieser herausfinden sollte, was für eine Person das ist, die behauptete, göttliche Enthüllung und Nachrichten des Himmels zu empfangen. Er sollte seine Lage ermitteln und mit größter Aufmerksamkeit seinen Gesprächen zuhören. Sein Bruder kam, nachdem er die notwendigen Erkundungen gemacht hatte, zurück und erklärte ihm, dass er Mohammed sallallahu ’alaihi wassallam als einen Mann mit guten Gewohnheiten und ausgezeichnetem Verhalten fand und dass seine wundervollen Enthüllung weder Poesie noch die Verse eines Magiers waren.

Dieser Bericht befriedigte ihn nicht und er entschied sich, selbst nach Mekka zu gehen, um die Tatsachen herauszufinden. Als er Mekka erreichte ging er geradewegs zur Moschee der Ka’ba. Er kannte den Propheten sallallahu ’alaihi wassallam nicht und hielt es auch nicht für ratsam (unter den Umständen, die zu dieser Zeit vorherrschten) sich nach ihm bei jedem zu erkundigen. Als es dunkel wurde, bemerkte ’Ali radiallahu ’anhu ihn als einen Fremden und konnte ihn nicht ignorieren, denn Gastfreundschaft und Obacht für die Reisenden, die Armen und die Fremden, war die zweite Natur der Sahaba. Er nahm ihn folglich mit nach Hause und bewirtete ihn in bester Weise. Er betrachtete es nicht als notwendig, ihn nach seiner Herkunft und den Zweck seines Besuchs in Mekka zu fragen, auch erklärte es Abu Sarr radiallahu ’anhu ihm nicht.

Den ganzen nächsten Tag blieb er wieder in der Moschee der Ka’ba, ohne herauszufinden, wer Mohammed sallallahu ’alaihi wassallam war und ohne jemanden nach ihm zu fragen. Der Grund dafür konnte die Feindlichkeit gegenüber dem Propheten sallallahu ’alaihi wassallam, die überall bekannt war, sein. Denn der Prophet sallallahu ’alaihi wassallam selber und auch die, die sich mit ihm trafen bekamen alle Arten von Schwierigkeiten. Abu Sarr radiallahu ’anhu hatte Angst über das Resultat seiner Suche nach dem Propheten sallallahu ’alaihi wassallam, denn die Leute würden ihm keine richtige Antwort geben und wegen seiner Frage würden sie meinen er sei Muslim und ihm dafür umsonst Schwierigkeiten geben. Am Abend des zweiten Tages nahm ’Ali radiallahu ’anhu ihm wieder für die Nacht mit nach Hause, da er sich dachte, dass der Grund seiner Reise noch nicht erfüllt sei. Nochmals bewirtete er ihn gut, hatte aber kein Gespräch mit ihm über den Grund seiner Reise. In der dritten Nacht jedoch, nachdem ihn ’Ali radiallahu ’anhu, wie in den zwei vorhergehenden Nächten einlud, fragte er ihn: „Bruder, was bringt dich in diese Stadt?”

Bevor er antwortete nahm Abu Sarr radiallahu ’anhu ein Versprechen von ’Ali radiallahu ’anhu, dass er ihm die Wahrheit sagen würde und dann erkundigte er sich bei ihm nach Mohammed sallallahu ’alaihi wassallam. ’Ali radiallahu ’anhu antwortete: „Er ist wirklich der Prophet von Allah ta’ala. Du kannst mich morgen begleiten und ich nehme dich mit zu ihm, aber du musst sehr achtgeben. Wenn ich auf dem Weg Schwierigkeiten fürchte, werde ich an die Seite gehen und irgendeine Notwendigkeit vortäuschen oder meine Schuhe in Ordnung bringen und du musst weitergehen, ohne zu stoppen, damit die Leute uns nicht zusammen bringen.”

Am nächsten Tag folgte er ’Ali radiallahu ’anhu, der ihn zum Propheten sallallahu ’alaihi wassallam brachte und sich mit ihm unterhielt. In der allerersten Begegnung nahm er Islam an. Der Prophet sallallahu ’alaihi wassallam fürchtete, dass die Quraisch ihn schädigen könnten, deshalb bat er ihn, seine Annahme des Islam geheim zu halten, zurück zu seinem Stamm zu gehen und wiederzukehren, wenn die Muslime an Stärke gewonnen hatten. Abu Sarr radiallahu ’anhu antwortete: „O Prophet von Allah! Bei Ihm, der der Meister meiner Seele ist, ich muss gehen und dieses Wort (Kalima) in der Mitte dieser Ungläubigen (Kafirun) rufen.” Getreu seinem Wort ging er geradewegs zur Moschee der Ka’ba und rief in der Mitte der Masse mit lauter Stimme:

„Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah und ich bezeuge, dass Mohammed der Gesandte von Allah ist.”

Die Leute fielen von allen Seiten über ihn her und hätten ihn zu Tode geschlagen, wenn nicht ’Abbaas radiallahu ’anhu (Onkel des Propheten sallallahu ’alaihi wassallam, der bis dahin nicht Islam angenommen hatte), gekommen wäre und sich auf ihn gelegt und dadurch geschützt hätte. ’Abbaas radiallahu ’anhu sagte zu den Leuten: „Was für ein Unrecht macht ihr. Dieser Mann gehört zum Ghifaar Stamm, der an dem Weg unserer Karawanen nach Syrien, unserem Haupthandelspartner, lebt. Wenn er stirbt, ist unser Weg nach Syrien geschlossen.” Dieses appellierte an ihren Verstand und sie überlegten, dass sie von diesem Land Syrien abhängig sind, falls dieser Weg für sie geschlossen werden sollte, würde das viele Probleme mit sich bringen, deshalb ließen sie von Abu Sarr radiallahu ’anhu ab. Am nächsten Tag, wiederholte Abu Sarr radiallahu ’anhu seine Erklärung vom Glauben (Iman) und wäre sicher zu Tode von der Menge geschlagen worden, hätte nicht ’Abbaas radiallahu ’anhu sie nochmals an ihre Geschäfte erinnert und nochmals eingegriffen und ihm geholfen.

Anmerkung: Die Tat von Abu Sarr radiallahu ’anhu war wegen seines großen Wunsches, diesen Glaubensbekenntnis (Kalima) unter den Ungläubigen (Kafirun) zu verkünden. Das Verbot durch Mohammed sallallahu ’alaihi wassallam lag im Interesse von Abu Sarr radiallahu ’anhu, damit er nicht Härten erleiden sollte, die vielleicht zu viel für ihn sein könnten. Es gibt nicht der geringfügigste Ungehorsam in dieser Geschichte. Da der Prophet sallallahu ’alaihi wassallam selbst alle Arten von Härten bei der Verbreitung des Islam, durchmachte, dachte Abu Sarr radiallahu ’anhu auch, seinem Beispiel zu folgen, anstatt seinen Rat anzunehmen, Gefahr zu vermeiden. Es war dieser Geist der Sahaba, der sie zu den Höhen des weltlichen und geistlichen Fortschritts brachte. Sobald eine Person einmal dieses Wort (Kalima) rezitiert hat und in Islam eingetreten ist, kann keine Kraft der Erde ihn zurück bringen und keine Unterdrückung oder Tyrannei kann ihn an der Ausbreitung des Islam stoppen.


Abu Sarr Ghifari radiallahu ’anhu rügt seinen Bediensteten


Hadhrat Abu Sarr Ghifari radiallahu ’anhu war ein bekannter Sahabi, der sehr fromm und enthaltsam lebte. Er behielt kein Geld bei sich und mochte ebenfalls nicht, wenn andere es taten. Er kämpfte immer gegen die wohlhabende Schicht. Hadhrat ’Uthman radiallahu ’anhu, während seines Kalifats befahl ihn nach Rabsah (ein kleines Dorf in der Wüste) umzuziehen. Er hatte einige Kamele, von denen er lebte und einen alten Bediensteten, der sich um sie kümmerte.

Ein Stammesmann von Banu Sulaim kam einmal mit einer Anfrage zu ihm: „Ich möchte mit dir bleiben, um von deinem Wissen über die Gebote Allahs und von der Methode und den Gewohnheiten des Propheten sallallahu ’alaihi wassallam zu profitieren. Ich werde auch deinem Bediensteten helfen, indem ich mich um die Kamele kümmere.“ Hadhrat Abu Sarr radiallahu ’anhu antwortete: „Ich kann bei mir keine Person lassen, die sich nicht meinen Wünschen fügt; aber, wenn du immer tust, was ich dir sage, kannst du bei mir bleiben, sonst werde ich mich von dir verabschieden.“ Die Person fragte: „In welcher Weise möchtest du das ich deine Wünsche durchführe?“ Abu Sarr radiallahu ’anhu antwortete: „Wenn ich dich bitte, von meinem Eigentum auszugeben, ist es notwendig, das Beste davon auszugeben.“

Die Person erzählte: „Ich nahm Abu Sarrs radiallahu ’anhu Bedingung an und blieb bei ihm. Eines Tages informierte ihn jemand, dass es einige arme Stämme gab, die nahe einer Quelle kampierten und dringend Nahrung benötigten. Er bat mich, ein Kamel zu holen. Dementsprechend ging ich und beabsichtigte das Beste der Herde auszuwählen, wie er mich geboten hatte, zu tun. Es war ein sehr feines und unterwürfiges Tier und gut zum Reiten, also entschied ich es zu lassen und wählte das zweitbeste Tier aus, da es sowieso nur zum Schlachten und zum Essen sein sollte und zu diesem Zweck war es genauso gut wie das andere. Das Erste war sehr gut zum Reiten und Abu Sarr radiallahu ’anhu und seiner Familie viel nützlicher, während die Armen das eine genauso schmackhaft finden würden wie das andere. Ich führte folglich das Kamel zu Hadhrat Abu Sarr radiallahu ’anhu.

Er erwiderte: „So, nach alledem hast du dein Versprechen gebrochen.“ Gut wissend, was es bedeutete, ging ich zurück und holte stattdessen das beste Kamel. Er wandte sich zu den Leuten: „Ich brauche zwei Personen, die eine Arbeit für Allah erledigen.“ Zwei Personen boten sich freiwillig an, er bat sie zu gehen, das Kamel zu schlachten und das Fleisch gleichmäßig unter den Familien zu verteilen, die in der Nähe des Wassers waren, auch seine eigene Familie sollte den gleichen Anteil bekommen, wie der Rest. Die Freiwilligen führten seine Anweisung durch.

Er rief dann nach mir und fragte: „Hast du absichtlich meine Anweisung, das Beste aus meinem Eigentum auszugeben, ignoriert oder hast du es aus Vergessenheit getan, wenn du es aus Vergessenheit getan hast, so bist du entschuldigt.“ Ich sagte: „Ich vergaß deine Anweisung nicht, denn ich nahm zuerst dieses Kamel, dann dachte ich, es sei besser dieses Kamel für Transportaufgaben zurück zu lassen, deswegen habe ich es gelassen.“ Abu Sarr radiallahu ’anhu: „War es für meine persönliche Notwendigkeit, das du es gelassen hast?“ Ich sagte: „Ja.“

Hadhrat Abu Sarr radiallahu ’anhu: „Komm, lasse mich dir meine Nöte erklären. Das ist der Tag, wenn ich ganz allein in die Einsamkeit des Grabes gelegt werde. Denke daran, es gibt drei Partner in deinem Vermögen:

  1. dein Schicksal, das nicht wartet, um seinen Anteil wegzunehmen. Gutes oder Schlechtes, es wird alles wegnehmen, was es nehmen muss.
  2. deine Erben, die auf den Tag deines Todes warten, damit sie ihren Anteil nehmen können und
  3. du selbst. Wenn du es schaffen kannst, sei nicht der hilfloseste von den drei Partnern. Nehme deinen vollen Anteil, solange du kannst. Allah sagt:

„Ihr  werdet das Gütigsein nicht erlangen, solange ihr nicht von dem spendet, was ihr liebt; und was immer ihr spendet, seht, Allah weiß es.“ (Al-’Imrān 92)

Deswegen finde ich es ratsam, die Sachen, die ich am meisten liebe im Voraus zum Paradies (Dschanna) zu schicken, damit sie dort für mich aufbewahrt werden.“ (Dur-e-Manthur)

Anmerkung: Dieser Mann ist der schlechteste Verlierer der drei Partner, der nicht sein Vermögen im Weg von Allah ta’ala ausgibt und es solange herausschiebt, bis das Schicksal es schließlich von ihm wegnimmt oder er stirbt und seine Erben es sich aneignen. Niemand von denen denkt an dich. Deine Familie, Frau und Kinder weinen ein paar Tage und sind dann ruhig. Es ist sehr selten, dass die Erben von dem Vermögen, das sie von einer anderen Person geerbt haben, freiwillige Almosen (Sadaqa) geben, oder an ihn denken und für den Verstorbenen freiwillige Almosen (Sadaqa) geben.

Der Prophet sallallahu ’alaihi wassallam erwähnt einmal: „Man sagt mein Vermögen, mein Vermögen, aber in Wirklichkeit ist nur so viel sein Vermögen was er entweder in Form von Nahrung, die er fertig gegessen hat oder Kleidung, die er angezogen und alt gemacht hat oder im Weg von Allah ta’ala ausgibt, um für ihn im Jenseits aufbewahrt zu werden. Was von seinem Vermögen zurück bleibt, gehört anderen. Er sammelt nur für die anderen.“

In einem anderen Hadith wird berichtet, dass einmal der Prophet sallallahu ’alaihi wassallam die Sahaba fragte: „Möchte jemand von euch sein Vermögen in den Händen seiner Erben sehen, anstatt bei sich zu behalten?“ Sie antworteten: „Welche Person möchte das, o Prophet von Allah?“ Darauf erklärte der Prophet sallallahu ’alaihi wassallam: „Was auch immer ihr voraus schickt, indem ihr es im Weg von Allah ausgebt gehört euch, was ihr aber zurücklassen werdet, gehört euren Erben.“ (Mischkat)